„Transparent – Transzendenz“

„Durch den bewussten Verzicht auf die detaillierte Farbnuance, richtet sich der Fokus auf die betrachtende Natur.“

Die Beschäftigung mit „Natur“ ist immer Subjektiv.
So geht es mir um die dem Blick im Alltag verborgenen Schönheiten der vergänglichen, jedoch sich ewig erneuernden Natur.
Im Detail sind es die Kräfte die alles hervorbringen was uns umgibt,:Wasser, Erde, Luft, das Wachstum….
und nicht zuletzt die Verbundenheit zum Menschen, als Teil eines ganzen eine Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.
Und dann möchte ich meine Arbeiten in ihrer Erscheinung als Gegenstück sehen zu einer sich selbst vernichtenden Konsumgesellschaft, in welcher die Maßstäblichkeit verloren gegangen ist.
Also Schlichtheit als Kraft gegen vermeintliche Vielfalt.

YeunHi Kim


YeunHi Kims Kunst
oder 
die Lehre vom Eigentlichen
Anmerkungen von
Prof. Dr. Helge Bathelt, M. A.

Ein Eigenes und dadurch Besonderes in einen Kontext zu einem Ähnlichen zu stellen, mag eine Brücke bilden, um zum Besonderen am Eigenen hin zu führen. Naheliegend, sich beim Werk YeunHi Kims an die Farbfeldmalerei zu erinnern. z.B. Mark Rothko. „Transzendierung der Raumgrenze „Wand“ hat mir als Interpretationshilfe immer gefallen, mehr als z.B. ein fest machen an nachmalerischer Abstraktion als ein Selbstreferentielles in einer sich selbst suchenden Kunst. Oder Hedwig Katzenberger, die Farbe in der Fläche differenziert und der es um meditative Stille möglicherweise zu gehen scheint. Beide Beispiele zeigen, dass YeunHi Kim nur sich selbst gehört. Die Anderen sind die Anderen mit anderen Ideen. Ihre Kunst ist idiosynkratisch
Nicht eine entfernte oder nähere Zugehörigkeit zu einer Stilrichtung ist wirklich bedeutsam, bedeutsam ist auf jeden Fall ein Herkommen, ist eine Prägung. Wo wir geboren wurden, wo wir aufgewachsen sind, wo erste Eindrücke entstanden sind, wo wir schließlich geschult wurden: all das trägt zu unserem So-Sein bei. 

YeunHi Kim hat die Welt zuerst durch die Papierwände im Haus ihrer Kindheit gesehen und schon wird sie offen für die Differenz zwischen Natur und Farbe: eine Differenz, die für sie zu einer Grundlage wird. Ein solches Erlebnis erinnert an eine Geschichte: die ich mag. Kandinsky betritt im Dämmerlicht sein Münchener Atelier und sieht seine aktuelle Arbeit auf seiner Staffelei nur als Farbbegegnungen und schon ist die gegenstandslose Kunst erfunden.

Zäsur
Auf den Friedhof der Begriffe ist eben die Nuance eingeliefert worden. Sie liegt nun in der Trauerhalle. Die Sensualität – selbst schon sehr gebrechlich – sitzt in der ersten Reihe. Der Charakter hat neben ihr Platz genommen. Der Organist spielt Zwölftonmusik. Kein Prediger weit und breit. Man ist unter sich Vergessenen.
Ein nicht vorhandener Chor unter Leitung von Angelus Silesius singt: „Mensch, werde wesentlich!“
Die Kapellenwände zeigen Kunstwerke. Ein Lichtkünstler hat darüber in Neon geblendet: „Bilder sind teure Tapeten.“

Wir sehen zwei Farbflächen. Die hellere wirkt in die dunklere hinein. Es ist schwer: nicht einen Horizont zu imaginieren – ein Licht über einem Wasser anzunehmen. Es ist aber leicht dahin zu kommen, das Wesentliche von Natur mit zu denken oder so weit zu gehen: sich von der Natur als Ursprung und Katalysator zu lösen: um zu ihrem Reinen zu kommen. YeunHi Kim hat ihr Sensorium für das Wesentliche der Natur, in der sie sich gerade bewegt, hoch entwickelt. Alle Nuancen im Realen hat sie verdichtet zu Farbeindrücken, die das Eigentliche im Betrachteten erkennen und ins Werk setzen. Das Nuancierte in ihrer Kunst ist deshalb nicht die Feinheit ihres Farbauftrags und die Einbindung von Licht durch die Transparenz des bevorzugten Reispapiers und auch nicht die dafür notwendige Aufblendung auf einen hohen Keilrahmen, sondern die Wahrnehmung der Unendlichkeit der Nuancen in der Natur und ihre Verdichtung auf eine einzige Farbe, die gleichwohl allem entspricht.


Ein Hochformat kann viel bedeuten. Tür, Öffnung, Erweiterung. Steht das Hochformat nicht alleine, so kann es zur Tafel werden, zur Erinnerung an den Transport bestimmter Informationen und gelangt zu einer Verwandschaft mit der Stele, erinnert an altgriechische Grabmäler, an Inschriften- oder Grenzsteine. Diese Erinnerung wird betont dadurch, dass die Künstlerin ihre Blätter auf breite Holzrechtecke setzt, Plastizität hergestellt wird. Bei YeunHi Kim, da sie sich immer auf Natur bezieht, geht es auch hier um die Erinnerung an Natur und Natürliches, um Zeugen von Natur.


2
Die Vorsicht, Genauigkeiteit und Zuwendung, mit der YeunHi Kim mit der Natur umgeht und die Vorsicht, Genauigkeit und Zuwendung, mit der sie aus einem Unendlichen von Farben in der Natur das Eigentliche heraus arbeitet und es in ihrer Kunst auszudrücken versteht, erreicht ein so Wesentliches und zu Bewahrendes, dass ihre Kunst dadurch ein rares Bedeutsames ist.

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